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Baustrahler Studio

2005-06-17

Preiswertes Heimstudio - Baustrahlerstudio

Ein kleines, eigenes Studio, das ist für viele Amateurfotografen ein großer Wunsch. Zwar gibt es sehr gute Mietstudios, doch deren Miete stellt oftmals eine Hürde dar, vor allem, wenn bisher wenig oder keine Erfahrungen mit der Studiofotografie vorhanden sind. Die Einrichtung eines kleinen Heimstudios ist eine Alternative, die es ermöglicht, ohne Zeitdruck und immer, wenn man Lust hat, zu experimentieren. Doch eine Studioausrüstung fällt in den professionellen Fotobereich und ist teuer. Vor allem eine ordentliche Blitzanlage stellt für viele eine finanzielle Hürde dar. Als Alternative bietet sich günstiges Dauerlicht an. Die preiswerteste Variante sind Halogen-Baustrahler. Was sich in diesem Bereich alles improvisieren läßt und welche Erfahrungen ich damit machen konnte, darum geht es in diesem Artikel.

Making-of Anita

Lichtquelle: Baustrahler

500 W Halogen-Baustrahler aus dem Baumarkt

Absolut preiswert sind Baustrahler aus dem Baumarkt. Modelle mit 500 W und Stativ gibt es für ca. EUR 35,- (auch online bei Amazon.de). Dabei sollte man zwei Punkte im Kopf behalten: Erstens sind 500 W für Fotolicht nicht viel: Wenn ich von einer Belichtungszeit von 1/60 s ausgehe, dann ist das eine Energie von gut 8 Ws. Ein kleiner Studioblitz hat schon 250 Ws! Daher benutze ich inzwischen mindestens zwei solcher Strahler, manchmal auch drei. Zweitens handelt es sich um "heisses" Licht: Das Licht der Baustrahler besitzt eine Farbtemperatur von ca. 3000 K - zum Vergleich: Tageslicht liegt bei etwa 5500 K. Diesen Farbfehler gilt es zu korrigieren, da man sonst sehr stark rot-orange-stichige Fotos bekommt. Leider sind die billigen Halogenröhren nicht exakt in ihrer Farbtemperatur festgelegt. Daher ist solches Licht nur mit einer Digitalkamera mit manuellem Weißabgleich oder für Schwarzweiss-Aufnahmen sinnvoll nutzbar. Dabei sollte man bedenken, dass der manuelle Weißabgleich in diesem Fall die Kanäle anpasst, was prinzipiell eine Einschränkung des Farbraumes darstellt. Bei aktuellen Sensoren 36-Bit Farbtiefe (von denen nur 24-Bit ihren Weg in eine JPEG-Datei finden) stellt dies aber in der Praxis kein Problem dar. Für den Weißabgleich kann man eine professionelle Graukarte verwenden. Mir und meiner Nikon D70 reichte bisher aber auch ein weißes Blatt Papier bzw. 160 g Karton, welchen das Model hielt. Genau so gut geht auch der weiße Styropor-Aufheller (siehe unten). Bevor es zum Ernstfall kommt, sollte man einmal in Ruhe testen, womit der manuelle Weißabgleich der verwendeten Kamera gut funktioniert. Dimmen sollte man die Halogenstrahler übrigens nicht, da sich damit die Farbtemperatur nochmal verschiebt und zwei unterschiedlich gedimmte Strahler somit nichtmehr zusammenpassen.

Diffusor: weißer Regenschirm

Nun ist das Licht eines Baustrahlers ziemlich hart - vielleicht vergleichbar mit einem Standardreflektor bei einem Studioblitz (allerdings mit mehr Streulicht zu den Seiten). Möchte man weiches Licht erreichen, so muss die Abstrahlfläche der Lichtquelle vergrößert werden. Für wirklich weiches Licht sollte diese Fläche größer sein als das zu fotografierende Objekt. Für Blitzanlagen gibt es diverse Lichtformer, besonders beliebt sind Softboxen und Reflexschirme. Eine weitere Möglichkeit sind Durchlichtschirme. Diese lassen sich leicht durch einen weißen Regenschirm improvisieren. Die gibt es sehr günstig im Bereich der Werbemittel und teilweise auch als Kundenschirme im Supermarkt (laut Hörensagen zum Beispiel bei Minimal). Ein großer, ganz weißer Schirm sollte für EUR 3,- zu bekommen sein.

Schirmhalter Bauteile

Wie aber kann man den Schirm nun am Baustrahler befestigen? In meinem Fall haben die Halter der Halogenstrahler rechts und links neben der Verbingungschraube zum Stativ noch ein Loch. Dafür läßt sich ein recht einfacher Halter mit wenigen Teilen aus dem Baumarkt basteln.

  • Lochplatte 18 x 4 cm
  • Rohr-Clips 18 mm (aus dem Heizungsbereich, Durchmesser dem verwendeten Schirmen anpassen)
  • Schrauben mit passenden Muttern M6 x 16 mm
  • Unterlegscheiben 6,4 x 18 x 1,6 mm

Man befestigt mit zwei Schrauben und Unterlegscheiben jeweils vorne und hinten an der Lochplatte einen Rohr-Clip und das Ganze dann mit Schraube, Unterlegscheibe und Mutter am Halter des Halogenstrahlers. Nun läßt sich der Schirm mit etwas Kraft "einklippen" und sitzt vor dem Strahler. Der Abstand sollte so groß wie möglich gewählt werden, ohne das Licht am Schirm vorbeistrahlt. Bei mir passt es genau, wenn die Schirmverriegelung im hinteren Clip sitzt. Vorsicht beim Einklippen und Entfernen des Schirms: Das Lochblch kann scharfe Kanten haben. Wenn eine Eisenfeile vorhanden ist, sollte man damit vor dem Zusammenbau das Blech entgraten.


500W Halogen-Baustrahler mit Schirm

Das Licht der Kombination Baustrahler mit Regenschirm ist für Portraits angenehm weich. Es ist allerdings nur schwach gerichtet: Es gibt eine Menge Streulicht im Raum. Dies kann in Kombination mit farbigen Decken, Wänden, Vorhängen oder Einrichtung zu Problemen führen. Das improvisierte Studio sollte daher am besten Farbneutral also weiß, grau oder schwarz sein. Ein mattes schwarz wäre perfekt, verhindert es doch jegliche ungewollte Reflexionen von den Wänden. In der Praxis sind leichte Reflexionen von einer weißen Decke aber halb so schlimm: Sie hellen die Schatten etwas auf, das könnte nur bei Low-Key-Aufnahmen ernsthaft stören. Farbige Wände machen sich vor allem in den Schatten mit einem leichten Farbstich bemerkbar. Hier können schwarze Vorhänge an den Wänden oder auch die unten beschriebenen Neger helfen. Meistens wird man aber mit den leichten Farbstichen leben können oder ihn notfalls am Computer beseitigen.
Die Streuwirkung hat aber auch etwas Gutes: Der so befesstigte Schirm läßt sich nicht in seiner Richtung bewegen, das streuende Licht ist also notwendig, um nicht nur exakt auf der selben Höhe, sondern auch leicht von Oben oder Unten beleuchten zu können. Zwar geht dann eine Menge Licht am Objekt vorbei, aber solange dies nirgendwo unschön reflektiert, ist das kein Problem.

Um mehr Lichtleistung zu bekommen, kann es sinnvoll sein, einen zweiten Strahler in den selben Schirm leuchten zu lassen. Dafür einfach den zweiten Strahler nah neben den ersten Strahler mit Schirm stellen und darauf achten, dass er vollständig in den Schirm leuchtet. Dabei unbedingt aufpassen, dass nicht irgendwelche Plastikteile vom Stativ zu nah an eins der heißen Gehäuse der Halogenleuchten kommt.

Aufheller: Styroporplatte auf Rollwagen

Selbstbau Aufheller

Nicht immer ist es notwendig Schatten deutlich aufzuhellen, indem man eine zusätzliche Lichtquelle benutzt. Oftmal genügt ein einfacher, großflächiger Aufheller, welcher das Licht der Hauptquelle diffus reflektiert und etwas Licht in die Schatten bringt. Eine praktische rollbare Variante ist mit Mitteln aus dem Baumarkt auch schnell gebastelt. Dazu braucht man:

  • 2 Styroporplatten 100 x 50 cm, 5-6 cm dick
  • Blumenrollwagen mit Holzplatte / Holzlamellen (ca. 35 x 35 cm)
  • 2 Winkel mit 15 cm Kantenlänge
  • Holzschrauben (Spax) 4 x 16
  • 2 Stricknadeln Stärke 6 (?)

Die Winkel werden mit den Schrauben so auf dem Rollwagen befestigt, dass eine Styroporplatte genau hochkant dazwischenpasst. Von den Stricknadeln die Plastikenden entfernen (Seitenschneider) und mit einem kleinen Hammer zur Hälfte in die kurze Kante der einen Styroporplatte versenken. Dann die Platte auf den Boden legen und die zweite gerade dagegenschieben. Die Stricknadeln dienen als Verbindung und wir erhalten so eine 200 x 50 cm Platte. Diese dann in den Rollwagen-Halter stecken und fertig ist der Aufheller. Wenn gewünscht, kann vorher noch eine Seite mit schwarzem Samtpapier abgeklebt werden, dann erhält man nicht nur einen Aufheller, sondern auch einen Lichtschlucker (auch Neger genannt). Wer zum Perfektionismus neigt, nimmt für die schwarze Seite natürlich auch einen schwarzen Winkel.

Der Aufheller kann (vor allem auf hartem Boden) einfach in die gewünschte Position geschoben werden. Er ist allerdings nicht sehr stabil, also sollte etwas vorsichtig mit ihm umgegangen werden. Es kann nicht schaden, mehrere solcher Aufheller zur Hand zu haben.

Hintergrundhalter: Teleskopstangen

Hintergrundhalter aus dem Baumarkt

Damit man nun nicht immer die Zimmerwand im Bild hat, müssen Hintergründe her. Hintergrundkarton ist sicher die beste Lösung, aber auch nicht ganz billig. Vor allem ist er nicht zu reinigen, Dreck auf dem Karton bedeutet abschneiden und das nächste Stück benutzen. Eine vielleicht günstigere Variante ist Stoff. Sehr dick und sogar feuerhemmend ist Bühnen-Molton. Er hat allerdings auch seinen Preis. Im Gegensatz zu dünnem Stoff verschiebt er sich auf dem Boden nicht so leicht und verhindert damit Falten. Auf der anderen Seite ist er teilweise aber so stabil, dass sich Wellen kaum beseitigen lassen. Wenn keine Ganzkörperaufnahmen anstehen und das Model somit gar nicht auf dem Hintergrund stehen muss, sondern er nur im Hintergrund an der Wand hängt, dann eignet sich fast jeder Stoff. er sollte allerdings nicht stark reflektieren.

Egal was man an Hintergrund verwenden will: Irgendwie muss er befestigt werden. Eine einfache Lösung sind Winkel an der Wand, auf welche man eine Querstange zur Befestigung des Hintergrundes legt. Hier gibt es spezielle Fotolösungen für mehrere Stangen oder auch einfache Winkel aus dem Baumarkt. Will man hingegen nichts fest an der Wand anbringen, weil der Raum noch andere Funktionen neben dem Fotostudio hat, dann eignen sich Stangen, welche zwischen Boden und Decke geklemmt werden. Vom Stativhersteller Manfrotto gibt es sowas unter dem Namen "Autopole", im Baumarkt deutlich billiger als "Teleskopstange" (ca. EUR 20,- bis 30,-). Im Gegenssatz zum Winkel ist hier die Befestigung einer Querstange nicht ganz so einfach. Als günstige und stabile Möglichkeit habe ich Alu-Doppelmuffen aus dem Chemie-Laborbedarf gefunden. Sie werden einfach mit einer Flügelschraube an der Stange befestigt. Als Querstange kann eine einfache, billige Gardinenstange (z.B. von IKEA) benutzt werden. Karton wird gerollt, Stoff kann umgenäht oder umgeschlagen und mit leichten Klammern aus dem Baumarkt festgehalten werden.


Das war eine kleine Einführung in die mögliche Technik eines improvisierten Heimstudios.
Was jetzt noch fehlt, ist ein Model und dann kann es losgehen. Viel Spaß!

Making-of Glamour

Ich danke Bodo Zurhausen für die Idee des Schirmhalters,
Carsten Alex. Simon für die Idee der rollenden Syroporaufheller
und Anke Huettner für das Lektorat.

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